Heilpilze müssen nicht aus fernen Ländern stammen. Auch in unseren Wäldern wachsen Arten mit langer Tradition in der Naturheilkunde und spannenden Inhaltsstoffen. Der Birkenporling, der Flache Lackporling und der Rotrandige Baumschwamm lassen sich mit etwas Wissen sicher bestimmen, schonend verarbeiten und vielseitig in der Hausapotheke einsetzen.
Heilkräftige Pilze – dabei denkt man oft an etwas Exotisches. Und tatsächlich gibt es Vertreter mit klingenden Namen, die auch noch bunt und skurril aussehen. Doch lassen Sie sich überraschen: Auch hier in Mitteleuropa tummeln sich mykologische Kraftpakete direkt vor unserer Nase.
Heilpilze aus dem Gletscher
Als im Jahre 1991 zwei Wanderer in den Ötztaler Alpen einen Toten im Gletscher fanden, dachten sie, es sei ein Wanderer vom letzten Winter. Sie staunten nicht schlecht, als sich herausstellte, dass der Wanderer schon vor über 5.000 Jahren dort verunglückt war. Es ist ein Jahrhundertfund, der ungebrochen fasziniert: Mehrere Fachrichtungen gewinnen noch heute neue Erkenntnisse an der Gletschermumie, nicht zuletzt die Naturheilkunde. Auch die Mykotherapie, die Pilzheilkunde, kommt nicht zu kurz: „Ötzi“ trug zweierlei Baumpilze bei sich. Beide gehören zur typischen mitteleuropäischen Pilzwelt. Es handelt sich um Birkenporlinge und Zunderlappen. Der Birkenporling soll hier vor den Vorhang geholt werden, gemeinsam mit zwei weiteren Heilpilzen, die man zwar schwer im Handel findet, dafür aber in den heimischen Wäldern und Gärten.
Leben im Verborgenen
Zu den heilkräftigen Pilzen zählen sowohl bodenbewohnende Pilze als auch Baumpilze. Jedoch sind letztere noch eher unpopulär, weshalb im Folgenden drei Baumpilze vorgestellt werden. Gesammelt werden die Pilzhüte, botanisch „Fruchtkörper“. Sie entsprechen dem Apfel am Baum, während der Pilz selbst im Holz lebt. Er scheut das Licht – nur einer von vielen Unterschieden zu den Pflanzen. Tatsächlich gibt es viele Parallelen zur Lebensweise der Tiere.
So sind auch Pilze nicht photosynthesefähig, sondern bauen – wie wir – organisches Material ab, „verdauen“ es mithilfe von Enzymen. Ihre Zellwände bestehen aus Chitin, nicht – wie die der Pflanzen – aus Zellulose. Und während im Pflanzenreich Stärke als Energiespeicher dient (und manchmal Inulin, Beispiel Topinambur), ist es bei den Pilzen das Glykogen, genau wie auch wir in unserer Leber einen Glykogenspeicher unterhalten, um in längeren Essenspausen den Blutzucker daraus zu speisen. Um nur drei aus einer Reihe von relevanten Unterschieden zwischen Pilz und Pflanze zu nennen. Die spezielle Lebensweise der Pilze schlägt sich auch in ihren Inhaltsstoffen nieder: Viele Antibiotika stammen ursprünglich aus Pilzen. Auch sie sind in der Natur ständig mit Bakterien und anderen Keimen konfrontiert und haben deshalb eine große Vielfalt an Abwehrstoffen entwickelt. Diese sind bis heute Forschungsgebiet für neue Medikamente.
Heilen mit Pilzen
In der klassischen Pilzheilkunde …
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