Bis zu den mod-mRNA-Genspritzen versprachen Impfungen mittels abgeschwächter Krankheitserreger zu immunisieren. Doch wo ist der Beweis, die krankmachende Potenz einer Mikrobe variabel verringern und unser Immunsystem wie eine KI trainieren zu können? Medizinhistoriker Gerd Reuther geht den Fragen auf den Grund.
Der erste Schutzversuch – 1721 gegen die Pocken – beruhte darauf, dem Impfling die Krankheitsursache in Naturform zu einem selbstgewählten Zeitpunkt zuzumuten, wenn man einen milden Krankheitsverlauf erwartete. Die Impfung sollte immunisieren, indem man vorsätzlich die Krankheit erzeugte, vor der man schützen wollte! Viele, die die Pocken nie bekommen hätten, wurden dadurch krank oder starben. Eine milde Pockenvariante gab es gar nicht. Der Krankheitsverlauf wird immer vom betroffenen Organismus geprägt.
80 Jahre später glaubte man den Stein der Weisen mit „Kuhpocken“ gefunden zu haben: seltene, unklare Hautausschläge an Eutern milchgebender Kühe. Der englische Landchirurg Edward Jenner (1749–1823) behauptete ohne Mikroskop, dass es sich dabei um eine gutartige Pockenvariante handelt, die dennoch Schutz vor den echten Pocken böte. Obwohl nur Kühe, die gemolken wurden, den Hautausschlag bekamen, kam ihm nicht in den Sinn, dass die Melkerinnen die Kühe infizierten und nicht umgekehrt. Die mit Abstrichen von „Kuhpocken“ Geimpften erkrankten entweder mit Symptomen, die den Pocken glichen, oder sie zeigten Erscheinungen einer Syphilis und konnten weiterhin die Pocken bekommen.
Als man nach rund 80 Jahren die Menschen nur noch mit staatlichen Zwängen vor die Impflanzette bekam, sollten es die Mikrobiologen richten. Mit Überimpfungen von Krankheitssekreten auf verschiedenste Versuchstiere und Lufttrocknung von deren Leichenteilen wollte man die Erreger weniger schädlich machen, ohne eine Immunisierung zu gefährden. Auch hierbei blieben die Erfolge aus, wenn die Impfstoffe bei Epidemien ihre Feuertaufe erlebten. Bei erneuter Exposition erkrankten die vermeintlich Geschützten wie Ungeimpfte. Lange waren die Impflösungen unsteril und erzeugten neue bakterielle Infektionen.
Die Mär vom „abgeschwächten“ Erreger
Aber wodurch hätte eine Mikrobe in einem Tier ihren Charakter verändern sollen? Wie hätte bei Sterilisierung mit Hitze oder Chemie ein Krankheitserreger noch einen Wiedererkennungswert für das Immunsystem behalten können? Plausibel ist bei Krankheitserregern nur ein „On“ oder „Off“. Ein Cholera-Bakterium produziert ausschließlich mit einem bestimmten Genabschnitt das gefährliche Toxin. Ohne dieses aktive Gen ist es harmlos. Ein Tetanusbazillus benötigt Luftabschluss, um sein Gift abzusondern. In einer offenen Wunde entsteht keine Tetanustoxin.
Der Austausch der vermuteten Krankheitsursache gegen ein Impf-Surrogat war je nach Standpunkt Irrtum oder Betrug. Die unnatürliche invasive Art der Krankheitsverbreitung konnte nur schaden. Übertrug man entzündetes artfremdes Gewebe, mussten unspezifische Abwehrreaktionen auftreten, da viele körperfremde Substanzen, aber kein isolierter Krankheitserreger enthalten war. Wenn die meisten Infektionskrankheiten im natürlichen Verlauf keine Immunität hinterlassen, wie sollte diese dann durch eine künstliche Infektion entstehen? Wieso hätte überhaupt ein krankmachender Stoff nur schützen können, wenn er anders als die natürliche Krankheit unter Verletzung der Hautbarriere eingebracht wird?
Wirkverstärker: Giftige Metalle als Zusätze
Die körpereigene Immunabwehr agiert in den Schleimhäuten und der Haut. Toxine und Erreger tief in Geweben müssen schaden. Der Zusatz von giftigen Metallverbindungen als „Wirkverstärker“ konnte …
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