Auch wenn man bei dem Wort Stoffwechsel zunächst an etwas rein Stoffliches denkt, spielt die Psyche hierbei eine große Rolle. Frühere Prägungen und das aktuelle psychische Befinden können ?nämlich die Gesamtheit biochemischer Prozesse im Körper maßgeblich beeinflussen. Universitätsprofessor Christian Schubert erklärt, warum wir bei der Therapie von Stoffwechsel-Erkrankungen unbedingt auch an die seelischen Hintergründe denken müssen.
raum&zeit: Sehr geehrter Herr Schubert, Sie forschen seit 27 Jahren wissenschaftlich daran, wie die Psyche auf den Körper wirkt. Wirkt aus Ihrer Sicht die Psyche auch auf den Stoffwechsel?
Prof. Dr. Dr. Christian Schubert: Dass die Psyche auf den Stoffwechsel wirkt, ist nichts Neues. Das dürften schon die Ärzte des Altertums gewusst haben. Man denke an die Temperamentenlehre, die ein von der antiken Humoralpathologie abgeleitetes Persönlichkeitsmodell betrifft. Dieses kategorisiert Menschen nach ihrer Grundwesensart in vier grundlegende Temperamente (Sanguiniker, Phlegmatiker, Melancholiker, Choleriker), die wiederum auf die Gesamtfülle der menschlichen Konstitution, physisch und psychisch, aber auch auf die Gesamtfülle der den Menschen umgebenden Welt bezogen werden.
Diese Temperamentenlehre mag heute zwar überholt sein, jedoch schwingt sie durchaus noch in neueren Theorien der Psychosomatik mit. Zum Beispiel gibt es da die Typ A-Persönlichkeit mit Anfälligkeit für Herz-Kreislauf- Erkrankungen. Die moderne Psychosomatik hat sich aber zunehmend von der Typenlehre entfernt beziehungsweise davon, dass es Persönlichkeitstypen gibt, die psychosomatisch verschieden in der Welt stehen und damit auch an unterschiedlichen für sie typischen Erkrankungen leiden können und sieht den Menschen eher auf Lebensereignisse und/oder Alltagserlebnisse körperlich reagieren.
Ist man dann gestresst, so zeigt sich dies in Hauterscheinungen, Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen, Herzklopfen, Verspannungen, Magenschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen, Schwindel, Erschöpfung und vielem mehr. Das kann dann bis zu schwereren psychosomatischen Auffälligkeiten gehen, die sich immer dann besonders zeigen, wenn der Stress überhandnimmt. Auch dies manifestiert sich interindividuell sehr unterschiedlich, zum Beispiel in Neurodermitis-Schüben, Migräne-Anfällen, Panik-Attacken, Bandscheibenvorfällen, Gastritis, Divertikulitis, Burn-out.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
r&z: Es gibt mittlerweile einige Studien zur Wirkung von Stress auf den Körper. Können Sie einen kleinen Überblick geben, wie sich Stress…






