Die alte Lehre und Kunst der Alchemie hatte ihre Blütezeit in Europa vom 12. bis ins 17. Jahrhundert, dann geriet sie in Vergessenheit. Eine obsolete Lehre? Keineswegs, meint Michael Ullrich, der ein eigenes Alchemie-Labor betreibt. Gerade zum Thema Stoffwechsel kann die Alchemie wichtige Erkenntnisse beitragen, ist doch die Transformation ihr Kernthema.
Wünschenswert wäre es, wenn man aus beiden Zeiten der heutigen und der damaligen lernen kann. Die Sicht der Dinge heute ist grundlegend anders, was nicht heißen muss, dass damals alles schlechter war. So spricht man heute in der Pharmazie von „Wirkstoffen“. Die Begrifflichkeit Wirkstoff wurde früher nicht verwendet, man beschrieb die heilenden Wirkungen, zum Beispiel von Pflanzen, als Wirkkraft. Da ich mit dem Begriff Wirkkraft mehr anfangen konnte und es mir somit leichter fiel, Dinge zu verstehen, hat dieser Begriff in meiner Arbeit einen großen Stellenwert. Auch Fragen zum Stoffwechsel haben in der Alchemie eine durchaus große Bedeutung. Der Stoffwechsel (Metabolismus) ist ein chemischer Umbau von Stoffen in unserem Organismus. Wir unterscheiden zwischen einem katabolen und einem anabolen Stoffwechsel. Hierzu ist zu sagen, dass der Katabolismus auf der einen Seite Stoffe umbaut, um sie für unseren Energiehaushalt verfügbar zu machen und der Anabolismus auf der anderen Seite für den Aufbau von körpereigenen Stoffen verantwortlich ist.
Der Alchemist in unserem Körper
Welche Organe sind bei diesen Umbauprozessen am wichtigsten? Ich möchte zunächst auf die Leber eingehen. Sie spielt beim Stoffwechsel eine zentrale Rolle, man nennt die Leber auch den Alchemisten in unserem Körper. Unsere Leber ist das größte Organ und wiegt bei einem Erwachsenen etwa 1,4 Kilogramm. Sie wandelt unsere Nahrung in für uns brauchbare Stoffe um und speichert und verteilt diese in unserem Körper.
Der Fettstoffwechsel der Leber…






