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Der Weg der Nahrung durch den Körper
„Der Darm ist für den Menschen das, was die Wurzel für den Baum ist!“ Aufgrund intensiver Beobachtung seiner Patienten erkannte der österreichische Arzt F. X. Mayer, dass der Zustand des Verdauungstraktes der entscheidende Faktor für die Gesamtgesundheit des Menschen ist. Die Heilpraktikerin Nora Thule gibt einen Überblick über das hochkomplexe Zusammenspiel von Organen, Bakterien und Nervensystem und zeigt sensible Stellen auf, an denen es schnell mal zu Problemen kommen kann.
Obgleich Verdauung als Tabuthema in unserer Gesellschaft gilt, erkennt die moderne Medizin immer mehr die Bedeutung des Verdauungstraktes für die Gesundheit. Ein genauer Blick darauf lohnt sich für Sie, versprochen!
Der Mund
Verdauung beginnt bereits im Mund! Für die ersten Schritte sind die Zähne, der Mundspeichel und die Zunge zuständig: „Gut gekaut ist halb verdaut!“ Die ausführliche Benutzung der Zähne zum Zerkleinern der Nahrung ist vorteilhaft für alle folgenden Prozesse! Hierdurch wird der Nahrungsbrei ordentlich mit Speichel vermischt, was zweierlei zur Folge hat: Abtötung von Keimen durch das antibakterielle Enzym Lysozym und Spaltung stärkehaltiger Kohlenhydrate zu Zucker durch das Enzym Alpha-Amylase (=Ptyalin). Wenn Sie ein trockenes Stück Brot so lange kauen, bis es süßlich schmeckt, erleben Sie genau diesen Effekt. Die bis zu 1,5 Liter Speichel pro Tag remineralisieren zudem fortwährend den Zahnschmelz und puffern durch einen pH-Wert von 6,5–8 Säuren aus der Nahrung oder von Kariesbakterien ab.
Die Speiseröhre
Ist die Speise ausreichend zerkaut und mit Speichel vermengt, setzt der Schluckakt ein, welcher bewusst gestartet und dann automatisch durchgeführt wird. Der Bissen gelangt nun in die Speiseröhre, ein Muskelschlauch von etwa 20 Zentimetern Länge, der den Speisebrei aktiv durch peristaltische Wellenbewegungen nach unten zum Mageneingang befördert. Stellen Sie sich Peristaltik bitte so vor: Sie haben einen mit Brei gefüllten Gummischlauch und drücken mit beiden Händen abwechselnd, um den Brei in eine Richtung zu schieben. Je besser der Speisebrei eingespeichelt und damit gleitfähiger gemacht wurde, desto einfacher ist dieser Vorgang für die Speiseröhre. Am Magen angekommen, öffnet sich der untere Speiseröhrenschließmuskel und entlässt den Speisebrei in den Magen.
Der Magen
Er ist ein elastischer Muskelsack mit einem Fassungsvermögen von circa 1,5 Litern. Innen ist er schützend durch die Magenschleimhaut ausgekleidet. Der Magensaft ist bestimmend für das Milieu, da er hauptsächlich aus Salzsäure besteht und einen pH-Wert von 1–3 aufweist. Zum Vergleich: Batteriesäure hat einen pH-Wert von 1 und Essig 2,5! Das saure Milieu ist bestens für die Elimination von Erregern geeignet, die wir mit jedem Bissen zu uns nehmen. Außerdem aktiviert die Magensäure das eiweißspaltende Enzym Pepsin, welches Eiweiße aufspaltet und denaturiert. Zellen in der Magenschleimhaut produzieren große Mengen schützenden Schleims, der die Innenseite des Magens überzieht und vor Selbstverdauung durch die Magensäure schützt. In Zeiten von großem Stress oder durch eine Infektion – beispielsweise mit dem Bakterium Helicobacter pylori – entfällt dieser Selbstschutz und im Magen können Geschwüre entstehen. Der Magen stellt auch Intrinsic Factor her – ein Transportprotein, das an Vitamin B12 bindet und dafür sorgt, dass dieses Vitamin im letzten Teil des Dünndarms resorbiert wird. Außerdem wandelt die Magensäure Eisen in eine resorbierbare Form um.
So ausgeklügelt und nützlich der Magensaft im Magen wirkt, so schädlich ist er, wenn er beispielsweise bei einer Störung des unteren Speiseröhrenschließmuskels in die Speiseröhre gelangt und hier die Speiseröhrenschleimhaut angreift. Wir spüren das dann als Sodbrennen, was erstmal nur unangenehm ist, bei chronischem Vorkommen aber zur fortschreitenden Schädigung und Entartung des Gewebes führen kann…
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