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Eine virtuelle Kerze für Bert Hellinger

Zum Tod des berühmten Theologen und Psychoanalytikers

Systemische Familienaufstellungen sind aus der modernen Psychotherapie-Landschaft nicht mehr wegzudenken. Es ist Bert Hellingers Verdienst, sie in dieser Form etabliert und verbreitet zu haben. Es gibt viele Methoden, auf denen er dabei aufbaute: die Familientherapie, die Aufstellungsarbeit der Familientherapeutin Thea Schönfelder, die Gestalttherapie, die Hypnotherapie, NLP (Neurolinguistisches Programmieren), die Transaktionsanalyse, Janovs Urschreitherapie oder auch die Methode der Gruppendynamik.
Bis heute wird die Methode Bert Hellingers heftig kritisiert. Es wird ihr vorgeworfen, sie sei auf eine patriarchale Ordnung hin ausgerichtet, der Aufsteller würde teilweise autoritär agieren, die Klienten könnten durch sie in tiefe Krisen gestoßen werden ohne aufgefangen zu werden, etc. Dass sich die Methode aber wie ein Lauffeuer verbreitet hat, spricht für sich. Auch dass sie in der therapeutischen Praxis längst von vielen starren Elementen befreit und stattdessen mit individuelleren Tools ausgestattet wurde, zeigt ihr großes Potenzial. Auch Hellinger selbst hat sie zusammen mit seiner Frau noch weiterentwickelt zum „Neuen Hellinger® Familienstellen“.

Nun ist Bert Hellinger am 19.9.2019 im Alter von 93 Jahren gestorben. Er hatte ein sehr reichhaltiges Leben hinter sich. Als Kind erlebte er noch den Zweiten Weltkrieg, dann folgte er seiner inneren Führung und wurde Priester, später arbeitete er 16 Jahre lang als Mitglied eines katholischen Missionsordens bei den Zulus in Südafrika. Dort wurde er Lehrer und lernte auch die Methode der Gruppendynamik kennen, die ihn sehr faszinierte. Zurück in Deutschland machte er Ausbildungen in Psychoanalyse und anderen psychotherapeutischen Methoden. Immer wieder stieß er in seinem Leben an Grenzen, an denen er sich neu ausrichtete. Grenzen innerhalb der katholischen Kirche, innerhalb des Priesterberufs, innerhalb des psychoanalytischen Arbeitskreises, innerhalb der Transaktionsanalyse. Hellinger blieb sich selbst aber treu und verfolgte seinen eigenen Weg weiter. Ende der 1980er Jahre beschrieb er dann seine Arbeit in dem zweiteiligen Buch „Ordnungen der Liebe“. Plötzlich wollten so viele Menschen seine Kurse besuchen, dass er begann Großveranstaltungen abzuhalten. Heute wird das Familienstellen weltweit in den verschiedensten Bereichen angewandt: in der Psychotherapie, in der Organisations- und Unternehmensberatung, Pädagogik, Medizin und selbst in der Justiz.

Wer eine virtuelle Kerze für Bert Hellinger anzünden möchte, kann dies auf seiner Homepage tun: www.hellinger.com

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