Kühe leiden unter Elektrosmog

Uni Zürich sammelt Daten

Seit Anfang diesen Jahres haben sich auf einen Aufruf der Uni Zürich schon rund 30 Bauern gemeldet. Sie hegen den Verdacht, dass Elektrosmog ihre Tiere krank macht. "Bereits haben sich rund 30 Bauern gemeldet", bilanziert Michael Hässig, Professor an der Vetsuisse-Fakultät. Verlässliche Zahlen über das Vorkommen und das Ausmass von Schäden durch nicht ionisierende Strahlung gibt es nicht. Doch besteht der Verdacht, dass diese Strahlen krank machen oder zumindest Körperprozesse beeinflussen. Hässig erwähnt eine neue Studie, die demnächst publiziert wird: "Wir haben zehn Kühe Handystrahlen ausgesetzt. Vorher und nachher sowie einen Monat später haben wir ihr Blut untersucht. Die Bestrahlung hat die Aktivität der Enzyme, die den pH-Wert im Blut regeln, beeinflusst." Unklar sei, ob dies auch gesundheitliche Folgen habe. Noch bis Ende Jahr können Bauern ihre Beobachtungen melden. Dann werden die Angaben laut Hässig ausgewertet – und Massnahmen diskutiert: "Eine Abschirmung wird nicht möglich sein. Aber auch andere Massnahmen wären schon hilfreich."

Schweizer Bauernverband erarbeitet Merkblätter
Auch beim Schweizer Bauernverband (SBV) melden sich laut Martin Rufer immer wieder Bauern, die von kranken Tieren berichten und Strahlen als Ursache vermuten. Er begrüsst das Vorgehen der Forscher. Es sei aber wichtig, dass die Meldungen seriös abgeklärt würden: "Bisher hat man diese Bauern nicht immer ernst genommen."  Unabhängig von Nunis erarbeitet der SBV derzeit zwei Merkblätter: "Im einen geben wir Ratschläge, worauf bei Neuanlagen zu achten ist, im zweiten Tipps zum Vorgehen bei Problemen." Beide Merkblätter sollen im Mai erscheinen.

Bei Nunis gemachte Angaben bleiben anonym
Nunis ist die Abkürzung für "Nutztiere – Nicht ionisierende Strahlung". Im Internet können gesundheitliche Probleme im Tierbestand mit Verdacht einer Beteiligung von nicht ionisierenden Strahlen (Elektrosmog), verursacht durch Funkantennen, Anlagen zur Übertragung elektrischer Energie oder Bahnlinie oder von vagabundierenden Strömen gemeldet werden. Die Meldeplattform wird von der Abteilung Ambulanz und Bestandesmedizin der Universität Zürich betrieben. Diese hat den Auftrag dazu vom Bundesamt für Umwelt erhalten. Ebenfalls beteiligt sind die Bundesämter für Landwirtschaft sowie für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, die Forschungsanstalt Agroscope und das Eidgenössische Starkstrominspektorat. Mit der Meldestelle soll  den Landwirten Gehör verschafft werden, die Forscher wollen  die Häufigkeit und Art der Beeinträchtigungen in Erfahrung bringen und potenzielle örtliche Häufungen erkennen. Die Bearbeitung des Fragebogens dauert etwa 30 Minuten. Benötigt werden  Angaben von der Tiervekehrsdatenbank TVD (Ohrmarkennummer, Betriebsnummer etc.) sowie das Behandlungsjournal der letzten Jahre. Die von den Bauern gemachten Angaben werden auf Wunsch anonym bearbeitet, es sind also keine Rückschlüsse auf den Betrieb möglich. Ohne  Einwilligung werden die Daten auch nicht an Dritte weitergegeben.

www.nunis.uzh.ch

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