Die Anti-Geschichte der Physik

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Jochen Kirchhoffs Vermächtnis

Artikelnummer: rz-264-08 Kategorien: ,

Mit seinem posthum veröffentlichten Werk „Anti-Geschichte der Physik“ hinterlässt Jochen Kirchhoff eine ebenso radikale wie anregende Kritik des modernen naturwissenschaftlichen Weltbildes – und die Aufforderung, das Denken wieder in Bewegung zu bringen. Uli Fischer, ein langjähriger Weggefährte Kirchhoffs, erinnert an diesen außergewöhnlichen und unbequemen Denker.

„Alles ist anders, als es scheint“. Diese Worte setzte Jochen Kirchhoff im Februar 2024 an das Ende seines Vorwortes zu seiner „Anti-Geschichte der Physik“. Es sollten seine letzten geschriebenen Worte für die Öffentlichkeit sein. Der Berliner Philosoph und Schriftsteller ist am 26. Dezember 2025 in Berlin verstorben. Als ein unbeirrbarer Kritiker der modernen Naturwissenschaft, Bewusstseinsforscher, Transzendental-Kosmologe und Verfechter einer lebendigen Metaphysik war er über viele Jahre hinweg als Autor von raum&zeit präsent. Der Mitbegründer der Zeitschrift, Hans-Joachim Ehlers, war dem Kirchhoffschen Denken sehr zugeneigt. Die Stoßrichtung der jeweiligen Intentionen war besonders in Sachen Kritik der reduktionistischen Naturwissenschaften identisch.

Über ein Jahrzehnt hat Jochen Kirchhoff in Berlin an der HUB und der Lessing Hochschule naturphilosophische Vorlesungen gehalten. Bücher wie „Nietzsche, Hitler und die Deutschen“, „Klang und Verwandlung“, seine Monografien über Giordano Bruno, Friedrich W. Schelling und Nikolaus Kopernikus sind Zeugen seiner breiten Bildung und Durchdringungsfähigkeit komplexer Themen. Seine Fähigkeit, Menschen mit Vorträgen über philosophische Themen zu begeistern, kann man auf seinem YouTube-Kanal nacherleben.

60 Jahre Engagement für ein wirklichkeitsgemäßeres Menschen- und Kosmosbild haben eine Vielzahl an intensiven Begegnungen mit sich gebracht. Ob in Seminaren oder im persönlichen Austausch, bei Lesungen oder Vorlesungen: Jochen Kirchhoff trat selbstbewusst und mit enormem inneren Feuer für die ihm am Herzen liegenden Themen ein. Viele Menschen waren und sind dankbar für seine Impulse und Anregungen, die immer auch der Selbstermächtigung des Einzelnen im Denken und Handeln dienten. Kirchhoff selbst verdankte wesentliche Impulse der Grundlegung seines Denkens dem Wirken des Naturphilosophen Helmut Friedrich Krause (1904–1973), der eine einzigartige metaphysisch basierte Kosmologie erarbeitete.

In den letzten Jahren seines Lebens trat er noch einmal verstärkt mit Gesprächen und Interviews hervor – auch im Kontext der Corona-Krise, die er philosophisch zu durchdringen suchte. Es ging ihm dabei nicht nur um Kritik, sondern immer auch um Impulse für eine Philosophie, die eine vertiefte Bestimmung der Würde des Menschen im kosmischen Zusammenhang ermöglicht. Dieser Vertiefung widmete er sich zeitlebens. Seinem Bemühen verdanke ich zahlreiche Anregungen und Hinweise zu grundlegenden Fragestellungen unseres Zeitalters – auch in Bezug auf die Widersprüche im Selbstverständnis der Naturwissenschaft.

Mut und Beharrlichkeit

Kann das, was sich über Jahrhunderte hinweg als wissenschaftlicher Kanon herausgebildet hat – maßgeblich geprägt durch die Physik –, noch einmal grundsätzlich befragt werden? Ist es sinnvoll, den „Urknall“ oder eine unveränderliche Lichtgeschwindigkeit, beide längst zur zweiten Natur im allgemeinen Verständnis geworden, in Zweifel zu ziehen? Es gehört Mut dazu und Beharrlichkeit in Zeiten enger „Meinungskorridore“ auch in der Wissenschaft, hier die Stimme zu erheben von Seiten der Philosophie. Ihr neuerlich Gehör zu verschaffen war ein großes Anliegen des Berliner Denkers.

Jochen Kirchhoff hat …

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