Mode im radikalen Wandel

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Stimmig mit der Natur

Artikelnummer: th-47-14 Kategorien: ,

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Stellen wir uns eine Welt vor, in der alle Ressourcen so gestaltet sind, dass sie nach jeder Nutzung einen neuen Einsatz finden, und in der es keinen Abfall gibt. Eine Welt, in der die Wolle „zwischengelagert“ wird in dem Pullover, der mich für einige Jahre als Lieblingsstück begleitet. Danach wird sie vielleicht zu einer Hose neu versponnen. Am Ende wird sie womöglich zu Bodenvlies verarbeitet, das Pflanzen beim Wachsen unterstützt und den Boden vor Erosion schützt.

Deutschland ist Weltmeister der Kreislaufwirtschaft: Mehr als 60 Prozent der Textilien werden bei uns gesammelt, sortiert und das meiste davon wird weiterverwertet. Die USA kommen im Vergleich dazu auf weniger als neun Prozent bei deutlich höherem Textilkonsum. Recycling und Upcycling stehen hoch im Kurs, Avantgarde-Designer sowie große Marken probieren sich in dem Feld und bieten Jacken aus alten Plisseeröcken (Schmidt-Takahashi), Taschen aus LKW-Planen (Freitag) oder „Recycle your Clothes“-Kollektionen mit Anteilen mechanisch recycelter Baumwolle (H&M) an. So wird die Nutzungsphase der Materialien und Fasern um eine weitere verlängert und entsprechend weniger Primärrohstoffe werden eingesetzt. Dies ist die Speerspitze einer neuen Bewegung, einer radikalen Umwandlung des Systems Mode, wie wir es kennen. Noch steht die Frage im Vordergrund, wie wir die über eine Million Tonnen Textilmüll, die allein in Deutschland jedes Jahr am Ende der textilen Kette anfallen, einer attraktiven Wiederverwertung zuführen können. Im Kern geht es jedoch darum, das Problem zu lösen, bevor es entsteht. Und darum, ästhetische Produkte in gesunden Herstellungs- und Nutzungsprozessen umzusetzen, die stimmig mit der Natur und für die Menschen sind. Nachnutzungen werden dabei von Anfang an mitgestaltet, das Konzept von Abfall obsolet, der Kreislauf geschlossen.

Das Problem lösen, bevor es entsteht

Weltweit wird intensiv an dieser Kreislaufthematik geforscht und entwickelt; Industrie, Universitäten und Forschungsverbunde widmen sich der Frage, wie gebrauchte Kleider vollständig im Kreislauf wiederverwertet werden können – also ohne Downcycling, bei gleichbleibender Qualität. Eine Herausforderung, wird doch beim mechanischen Recycling beispielsweise die Faser so stark verkürzt, dass sie im neuen Produkt zum Pillen (Knötchenbildung) neigt. Auch die Rohstoffe, die in der Produktion zum Einsatz kommen, wie Wasser, Energie und Chemikalien, sollen in möglichst geschlossenen Kreisläufen zurückgeführt werden. Mit diesen neuen Technologien haben es Zellulose-Regeneratfasern wie Tencel und Lyocell auf die Liste umweltfreundlicher Fasern geschafft. Als Ausgangsmaterial für diese Fasern dient heute überwiegend Holz. In Zukunft können sie auch aus Altpapier und Altkleidern gewonnen werden. All diese sehr spannenden Entwicklungen regen auch die Kreativität der Designer an. Sie gestalten beispielsweise Brillen aus kreislauffähigem Nylon 6 (einem Kunststoff) im abfallfreien 3D-Druckverfahren, bei der alle Komponenten der Brille aus demselben Material und damit vollständig wiederverwertbar sind. Wir können uns also auf eine völlig neue Generation von Produkten freuen. Auch mit neuen Services wie Leasen, Mieten und Leihen führen uns innovative Unternehmen an die Idee heran, dass uns Kleidung nicht immer gehört, sondern für eine Zeit lang begleiten wird. Und dass wir das als Bereicherung empfinden. Danach wird sie von jemand anderem genutzt oder zu etwas Neuem, Anderem transformiert. Insgesamt verschiebt es sich von einem „Besitzen“ zu einem „Nutzen“…

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