Zum Tod von Marco Bülow – ein unbequemer Abgeordneter

Der frühere Bundestagsabgeordnete Marco Bülow ist im Alter von 54 Jahren verstorben. Über viele Jahre hinweg gehörte er zu jenen politischen Stimmen in Deutschland, die sich nicht scheuten, Machtstrukturen offen zu hinterfragen – auch in den eigenen Reihen. Sein Name blieb untrennbar verbunden mit der Kritik an Lobbyismus, Parteidisziplin und der zunehmenden Entfremdung zwischen Politik und Bürgern.

raum&zeit durfte mit ihm im Rahmen des Interviews „Korruption im Bundestag – Ex-Abgeordneter Marco Bülow packt aus“ zusammenarbeiten. In diesem Gespräch zeigte sich Bülow sehr engagiert. Er wollte aufklären und die deutsche Politik verbessern: bürgernah, selbstbestimmt und gerecht.

Bülow verstand Politik nicht als Karriere, sondern als Verantwortung. Seine Entscheidung, Partei und Fraktionszwängen offen zu widersprechen, brachte ihm Konflikte ein, aber auch Respekt über politische Lager hinweg. Wer mit ihm sprach, erlebte keinen Berufspolitiker im klassischen Sinne, sondern einen Menschen, dem demokratische Kultur wichtiger war als persönlicher Vorteil.

Mit Marco Bülow verliert die politische Landschaft eine Stimme, die unbequem sein wollte, weil sie es für notwendig hielt. Er war streitbar und unabhängig und damit ein wichtiger Impulsgeber und Hoffnungsträger – auch für unsere Leser und Leserinnen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Wegbegleitern.

Portrait Marco Bülow: © Julia Bornkessel