Altes Brauchtum: Weihnachten und Silvester

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Weihnachten gehört auch heute noch zu den wichtigsten Feiertagen und hat in allen christlich geprägten Ländern eine lange Tradition.Aber auch Silvester und Neujahr werden überall festlich begangen.Diese Feiertage haben im Leben der Menschen eine große Bedeutung und von alt...
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Altes Brauchtum: Weihnachten und Silvester
Von Ernst-Albert Meyer, Hessisch Oldendorf – raum&zeit Newsletter 199/2016

Weihnachten gehört auch heute noch zu den wichtigsten Feiertagen und hat in allen christlich geprägten Ländern eine lange Tradition.
Aber auch Silvester und Neujahr werden überall festlich begangen.
Diese Feiertage haben im Leben der Menschen eine große Bedeutung und von alters her sind damit viele Bräuche und Sitten verbunden.
Über einige wird hier berichtet.

Höhepunkt des Jahres

In unserer modernen und hektischen Zeit gilt das Weihnachtsfest auch heute noch vielen Menschen als der Höhepunkt des Jahres. Seinen unvergleichlichen Glanz erhält Weihnachten jedoch erst durch den festlich geschmückten Weihnachtsbaum, dessen Lichter Freude und Feststimmung ausstrahlen. Doch Weihnachtsbaum und die weihnachtliche Bescherung haben ihre eigene Geschichte ...

„Dannenbäume zu strassburg“

Mit der Weihnachtsbotschaft ist uraltes Brauchtum verbunden: Die Aussöhnung zwischen den Menschen, das Beschenken von anderen, die uns lieb und teuer sind, der Weihnachtsmarkt und die weihnachtliche Atmosphäre zu Hause. Hierzu gehören Krippe, Nussknacker, Weihrauchduft, der Gabentisch und natürlich der Weihnachtsbaum. Ursprünglich war der immergrüne Baum Sinnbild des Lebens, und unsere Ahnen glaubten, mit Tannenzweigen die bösen Götter zu vertreiben.
Joseph Victor von Scheffel (1826–1886) erzählt in seinem Roman „Ekkehard“ von der Alemannenherzogin Hadwig, bei der schon im 10. Jahrhundert ein Weihnachtsbaum mit Lichtern geschmückt wurde. Doch diese Schilderung ist historisch nicht belegt. Den immergrünen und mit Lichtern besetzten Weihnachtsbaum soll Martin Luther erfunden haben, was sich aber nicht beweisen lässt. Auch die Darstellung Martin Luthers mit seiner Familie unter einem im Lichterglanz erstrahlenden Tannenbaum – ein Bild des Malers Schwerdgeburth aus dem Jahr 1848 – dürfte nur ein Fantasieprodukt des Künstlers sein.
Die erste verlässliche Nachricht über die Verwendung der Tanne als Weihnachtsbaum stammt 1495 aus Straßburg. Der Dichter Sebastian Brant (1457–1521) schreibt in seiner Chronik: „Auf weihnachten richtete man dannenbäume zu strassburg in den stuben auf, daran hängt man rossen aus vielfarbigem papier geschnitten, äppel, oblaten und zucker.“ Aber schnell hagelt es Proteste gegen diesen neuen Brauch: So wettert etwa der Straßburger Professor Dannhauer gegen dieses „Kinderspiel“.
Eine andere Überlieferung teilt uns mit, dass die ersten Tannen im Jahr 1520 in den Wäldern von Schlettstadt bei Straßburg geschlagen wurden. Erwähnt werden muss noch, dass im Mittelalter den Nadelbäumen auch Heilkräfte zugesprochen wurden. So wandten sich in Niedersachsen Gichtkranke nachts um die zwölfte Stunde an eine Fichte mit der Bitte um Hilfe. Dabei sagten sie folgenden Spruch auf:

„Fichte, liebe Fichtin,
Ich bring’ hier meine Gicht hin!
Der erste Vogel, der über dich fliegt,
mache Du, dass der sie kriegt.“

Dann ging der Kranke in der Hoffnung auf Heilung nach Hause.

Grüne Zweige und Christstollen

Im 17. Jahrhundert wurde es in Süddeutschland Sitte, zum Christfest das Zimmer mit Laubzweigen zu schmücken. Sie wurden am 4. Dezember (Tag der heiligen Barbara) geschnitten und sollten, im Zimmer in Wasser gehalten, bis zum Weihnachtsfest ergrünen und erblühen. Die Behörden versuchten immer wieder gegen diesen neuen Brauch vorzugehen und verboten das Abschneiden von Zweigen zur Weihnachtszeit. So untersagt 1768 der Nürnberger Rat das Abschneiden von Ebereschen-, Linden-, Kastanien- und Pappelzweigen. Doch ohne Erfolg! Ende des 18. Jahrhunderts erfreut sich der Christbaum in reichen Familien bereits großer Beliebtheit. Um 1825 wurde er im Münchner Raum bekannt und gegen 1860 in Baden und Württemberg. In der Pfalz und in Schwaben ersetzte der Buchsbaum die Tanne, und in Ostdeutschland war die Eibe als Weihnachtsbaum beliebt.
Ende des 19. Jahrhunderts verdrängten die Nadelbäume die Laubbäume als Weihnachtsbaum, der sich fast in ganz Nordeuropa bis heute behauptet. Daran sollten wir uns erinnern, wenn wir zur Weihnachtszeit das Lied anstimmen: „O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter.“
Was wäre das Weihnachtsfest ohne das traditionelle Weihnachtsgebäck? Dabei sind die Formen des Gebäcks vielfältig, wie seine Deutungen und Bezeichnungen. So wird im Christstollen das in Windeln gewickelte Christuskind gesehen. Dem Weihnachtsgebäck sprachen die Menschen heilende Eigenschaften zu. Deshalb wurde es mit dem damals wertvollen Vieh geteilt oder über Nacht auf dem gedeckten Tisch stehen gelassen, damit die Engel und Götter davon essen können. Bettler erhielten Weihnachtsgebäck als Almosen.

Die Weihnachtsgeschenke der Bibel

Was wäre das Weihnachtsfest ohne Geschenke? Sie sind Ausdruck der Nächstenliebe, mit ihnen wollen wir jene Menschen, die uns nahe stehen, erfreuen. Sind Kinder im Haus, bekommt das Weihnachtsfest etwas Geheimnisvolles und Spannendes: Welche Geschenke wird der Weihnachtsmann wohl bringen? Da werden Wunschzettel geschrieben und die vielen Fragen stellen die Eltern oft auf eine harte Probe.
Über die ersten Weihnachtsgeschenke berichtet die Bibel im Matthäus-Evangelium. Als die drei Weisen aus dem Morgenland, dem Stern folgend, in Bethlehem ankamen, fanden sie Jesus und seine Mutter Maria: „ … da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“ Nur das Kostbarste war den drei Weisen für einen Königssohn gut genug, deshalb schenkten sie Jesus als Ausdruck höchster Wertschätzung Gold, Weihrauch und Myrrhe – damals für Kaiser und Könige würdige Präsente. Stoffe, wie Weihrauch und Myrrhe, die beim Verbrennen Wohlgerüche entwickeln, stellten damals für das einfache Volk unbezahlbare Luxusgüter dar. In Kulthandlungen wurden diese Harze von Königen und Priestern in Verbindung mit Gebeten verbrannt. Mit dem zum Himmel – dem Sitz der Götter – aufsteigenden Rauch wollte man sich die Götter geneigt machen und somit Hilfe und Schutz erflehen. Später übernahm das Christentum das Zeremoniell der Räucherungen, die auch heute noch im Gottesdienst üblich sind. Und auch das Verbrennen von Räucherkerzen zu Weihnachten leitet sich von dieser alten Tradition ab.

Myrrhe und Weihrauch – heute moderne Arzneimittel

Als Myrrhe wird das nach Verletzungen der Zweige des Myrrhenstrauches (vor allem Commiphora molmol) austretende und an der Luft erstarrte gelblich-braune Gummiharz bezeichnet. Der Myrrhenstrauch wächst vor allem im Jemen, in Äthiopien und in Somalia. Bekannte Ärzte der Antike beschreiben die Myrrhe in ihren Werken. So empfiehlt der berühmte griechische Arzt Dioskurides (1. Jahrhundert n. Chr.) die Myrrhe bei Heiserkeit, Husten, Seiten- und Brustschmerzen, Durchfall, Gebärmutter- und Nierenleiden, Kopfschmerzen, Augengeschwüren, Haarausfall, Zahnfäule und als Wundverschluss.
Ähnlich ist die Anwendung der Myrrhe im Mittelalter. Doch eine immer größere Bedeutung gewann die Myrrhe im Mittelalter als Apotropäum, als ein Dämonen austreibendes und damit Unheil abwehrendes Mittel. Denn in dieser Zeit waren die Menschen von der Existenz und dem schädlichen Wirken von Dämonen, bösen Geistern und Hexen überzeugt. Bestimmte Krankheiten wie Epilepsie, Hysterie, Neurosen und Psychosen erklärten die mittelalterlichen Ärzte damit, dass diese Kranken von Dämonen beherrscht seien, die man durch Räucherungen aus dem Körper vertreiben müsse. Hier war die Myrrhe ein gefragtes Mittel! So kann man in einem Medizinbuch aus der Zeit um 400 n. Chr. nachlesen: „Räucherung (mit Myrrhe) vertreibt Dämonen und beseitigt Krankheiten; denn Rauch dringt durch Mund und Nase in alle entlegensten Eingeweide ...“
Bekannt ist heute die Myrrhentinktur wegen ihrer desinfizierenden, zusammenziehenden (adstringierenden) und geruchsbeseitigenden Eigenschaften. Mit Wasser verdünnt, ist sie ein wertvolles Mittel zum Spülen bei Entzündungen des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut.
Weihrauch ist das Harz bestimmter in Indien und Afrika vorkommender Weihrauchbäume. Er wird seit Jahrtausenden als Räuchermittel bei religiösen Handlungen sowie in der ayurvedischen Heilkunde und Volksmedizin eingesetzt. Neuere Forschungsarbeiten bescheinigen dem Weihrauch entzündungswidrige und schmerzstillende Eigenschaften. Deshalb werden in einigen Ländern Weihrauch-Präparate zur Behandlung von Rheuma (rheumatoide Arthritis) eingesetzt.

Jetzt bringt das Christkind die Gaben

Bis ins 16. Jahrhundert brachte der Nikolaus anstelle des Christkinds die Weihnachtsgeschenke. Erst Martin Luther ersetzte den populären Nikolaus durch den „Heiligen Christ“, der am 24. Dezember die Geschenke bringt. Damals gab es in den Familien nur Weihnachtspräsente für die Kinder. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts begannen sich auch die Erwachsenen zu Weihnachten gegenseitig zu beschenken.

Silvester – das Fest zum Jahreswechsel

Für uns ist Silvester ein fröhliches Fest, das mit Musik, Tanz, Essen, Trinken und dem traditionellen Feuerwerk begangen wird. Denn wir alle hoffen auf ein gutes neues Jahr. Doch in vergangenen Zeiten gab es für Silvester und Neujahr feste Regeln und Bräuche, die einzuhalten waren, sollte das kommende Jahr erfolgreich werden.

Wie der Name entstand

Silvester I. war von 314 bis zum 31. Dezember 335 Papst. Der Legende nach soll er den aussätzigen und heidnischen Kaiser Konstantin I. geheilt, zum Christentum bekehrt und getauft haben. Dafür zeigte sich der Kaiser mit umfangreichen Schenkungen an die Kirche erkenntlich. Der später Heiliggesprochene, dessen Gedenktag der 31. Dezember ist, gab damit dem letzten Tag des Jahres seinen Namen. Damit gilt Silvester bis heute als Patron, den die Menschen zum Jahreswechsel anrufen und um ein gutes neues Jahr bitten.

Wichtige Dinge vorher erledigen

Heutzutage wünschen wir uns und anderen zum Jahreswechsel ein erfolgreiches, gesundes neues Jahr, im festen Glauben daran, dass es auch eintritt. Doch früher war das schwieriger: Jeder, der auf ein gutes neues Jahr hoffte, musste als Voraussetzung dafür am Ende des alten Jahres unbedingt bestimmte Dinge „abgearbeitet“ haben. Dazu gehörten ein aufgeräumter Haushalt und die Beseitigung allen Schmutzes im Haus. Keine Arbeit durfte unerledigt liegen bleiben und alle Schulden waren zu begleichen.
Aber auch das Gegenteil wird berichtet: So ist zwischen Weihnachten und Neujahr ein striktes Putz- und Waschverbot einzuhalten, wenn man nicht Unglück heraufbeschwören will. Auch ausgeliehene Dinge sollte man noch im alten Jahr zurückgeben. Wer im neuen Jahr keine Erkältung bekommen will, soll am Neujahrstag „ein reines Hemd anziehen“. Auf Frohsinn und Heiterkeit im nächsten Jahr konnte nur derjenige hoffen, der zu Neujahr süße Speisen zu sich nahm. Und als Voraussetzung für Gesundheit muss man sich am Neujahrstag in einer Schüssel waschen, in der Goldstücke lagen. Beruflichen Erfolg hat ein Handwerker im neuen Jahr nur, wenn er zu Neujahr für kurze Zeit sein Handwerkszeug in die Hand nimmt. Bauern, die im nächsten Jahr auf eine reiche Ernte hoffen, müssen zu Neujahr vor dem Kirchgang von allen Getreidesorten etwas in ihre Tasche tun und während des Gottesdienstes darin „herumkramen“.

Speisen und Getränke zu Silvester

Genau wie für Weihnachten so sind auch für den Silvesterabend bestimmte Speisen und Getränke ein „Muss“, soll das kommende Jahr positiv verlaufen. An erster Stelle steht zu Silvester Fisch! Er ist wichtig, um im neuen Jahr von Unglück verschont zu bleiben. Als beliebtester Fisch gilt der Karpfen. Einige seiner Schuppen legt man in die Geldbörse, dann ist sie im nächsten Jahr immer prall gefüllt. Auch Schweinefleisch ist zu Silvester erlaubt. Dann bleibt einem im nächsten Jahr das Glück treu. Deshalb schenken sich die Menschen zum Jahreswechsel als Glücksbringer auch kleine Schweinchen aus Marzipan, Metall oder Porzellan. Häufig backt die Hausfrau ein Schwein aus Kuchenteig. Es wird zu Silvester zusammen mit brennenden Kerzen auf den Tisch gestellt und dann verzehrt. In einigen Regionen Deutschlands gehört zum Silvester-Schweinebraten Grünkohl. Auch Mohnspeisen sind beliebt, z. B. die Mohnklöße in Schlesien und der Steiermark. In Dresden gibt es zum Silvester-Abend Hirsebrei, in Holstein Reisbrei, in Thüringen mit Heringen gemischte „Fleischgemengsel“ und in Württemberg Heringssalat. Manche Speisen, wie zum Beispiel Erbsen und andere Hülsenfrüchte sind zu Silvester dagegen verpönt. Und Äpfel soll man ganz meiden. So glaubt man in Hessen, dass Äpfel, zu Silvester gegessen, zu bösen Geschwüren am ganzen Körper führen.
Bei den Getränken ist der Silvester-Punsch Pflicht, vor allem, um damit das neue Jahr zu begrüßen. Das Wort „Punsch“ kommt aus dem Hindostanischen und bedeutet „Fünf“. Deshalb musste ein guter Punsch früher aus fünf Zutaten bestehen: Arrak oder Rum, Wasser, Tee, Zucker und Zitronensaft.

Fragen an das Schicksal

Damals wie heute beschäftigt die Menschen zu Silvester die Frage, was das neue Jahr ihnen wohl bringen wird. Da früher das Denken und Handeln der Menschen vom Aberglauben bestimmt war, hofften viele, durch bestimmte Orakel einen Blick auf ihre Zukunft werfen zu können. Die so genannten „Zwölf Nächte“, die Tage vom 25. Dezember bis 6. Januar, galten damals als besonders schicksalsträchtig und als eine Zeit, in der viele böse Geister ihr Unwesen trieben. Deshalb war Silvester der geeignete Tag, Fragen an das Schicksal zu stellen! Fromme Leute stachen mit einer Nadel oder einem Messer seitlich in das Gesangbuch oder die Bibel und schlussfolgerten aus der aufgeschlagenen Stelle auf Freud oder Leid, Glück oder Unglück im nächsten Jahr.
Auch heute noch beliebt: das Bleigießen. Dabei wird flüssiges Blei durch einen alten, ererbten Schlüssel in eine Schüssel mit Wasser gegossen. Aus den entstandenen Figuren werden dann Hinweise für die Zukunft „herausgelesen“.
Oder man versieht eine Nussschale mit einem kleinen, brennenden Wachslicht und lässt sie dann auf Wasser schwimmen. Aus dem Zusammentreffen oder Sich-Meiden der Schalen schließt man auf Sympathie oder Antipathie zwischen den Anwesenden. Erlischt das Wachslicht, ist das ein böses Omen: Es bedeutet den Tod der betreffenden Person.
In der Gegend um Brünn versteckt man, ohne dass es die Teilnehmer des Orakels sehen können, verschiedene Gegenstände unter Töpfen. Dann wird jeder einzeln hereingerufen und darf drei Töpfe hochheben. Deckt der Teilnehmer mehrere Male denselben Gegenstand auf, zum Beispiel Geld, wird er im neuen Jahr reichlich davon besitzen. Findet er wiederholt Brot, wird er Speise und Trank im Überfluss haben. Wer aber einen Kamm aufdeckt, den erwartet keine gute Zukunft.
Um etwas über das Wetter des nächsten Jahres zu erfahren, wird mit einem Messer in ein frisches Brot gestochen. Nach einiger Zeit zieht man das Messer heraus. Aus der Feuchtigkeit bzw. Trockenheit der Klinge wird eine Wetter-Prognose vorgenommen.

Was Kinder und junge Mädchen erwartet

In einigen Regionen Belgiens ist folgender Brauch üblich: Das Kind der Familie, welches am Silvester-Morgen als letztes aus dem Bett steigt, wird von allen mit Silvester angesprochen und muss seine Spielsachen den übrigen Kindern überlassen.
Für Mädchen, die eine übertragene Arbeit nicht bis zum Jahresende erledigt haben, besteht in einigen ländlichen Gegenden die Gefahr, wegen ihrer Faulheit und Unpünktlichkeit von bösen Geistern verfolgt zu werden.
Woanders begibt sich in der Silvester-Nacht das junge Mädchen in den Hühnerstall und wartet ab, wer zuerst gackert. Ist es ein Hahn, wird sie im nächsten Jahr einen Mann finden, der sie heiratet.
Griff in Ostpreußen ein Mädchen zu Silvester in fließendes Wasser und nahm einen Stein „mit einem Würmchen“ heraus, bekam sie im neuen Jahr ein uneheliches Kind.

Besonderer Brauch im Erzgebirge

So wie heute trafen sich auch früher zum Silvesterabend befreundete Menschen oder Familien, um gemeinsam zu feiern Alleinstehende suchten eine der Wirtschaften auf, um Geselligkeit zu finden. In der Gemeinschaft wurde mit Essen, Trinken, Singen und den beschriebenen Bräuchen das alte Jahr verabschiedet und das neue Jahr begrüßt. Um Punkt 00:00 Uhr beglückwünschte man sich.
In den Städten begaben sich die Menschen lärmend auf die Straßen und riefen sich ein „Prosit Neujahr“ zu. Aus dem Erzgebirge ist ein seltsamer Brauch überliefert: Bevor die Kirchenglocken das Ende des alten Jahres verkünden, steigen alle auf Tische und Stühle und springen beim letzten Glockenschlag herab. Dabei spricht jeder die Worte: „Grüß dich Gott, du neues Jahr! Viel Segen, Fried und Glück, das bringst du doch wohl mit.“ Wer diesen Spruch nicht aufsagt, darf sich nicht wundern, wenn er im neuen Jahr Pech hat.

Mit Lärm die bösen Geister vertreiben

Niemand, der heute zu Silvester seine Feuerwerkskörper zündet, denkt daran, dass er damit eine uralte Tradition fortsetzt. Denn durch Lärm und laute Umzüge wollten die Menschen früher die bösen Geister vertreiben. Diese treiben nämlich besonders zu Silvester und Neujahr ihr Unwesen. Wir verbringen heute den Neujahrstag meist in Ruhe, schlafen aus oder „kurieren“ unseren Kater. Das war früher anders: Auch der Neujahrstag war noch voller Aktivitäten, die die Dämonen verjagen sollten. Zu diesen lauten Bräuchen gehörten das Neujahrsschießen und das Neujahrswerfen. Bei letzterem zerschlug man alte Töpfe, Teller und Gläser vor der Tür der Nachbarn.
Heidnischen Ursprungs ist der Brauch des Durchprügelns einer Person. Damit wollte man symbolisch das Austreiben des Winters darstellen. In den Dörfern Niederösterreichs wurde dazu dem ungeschicktesten Knecht auf dem Hof ein Strohkranz auf den Kopf gesetzt und ein Strohbündel in die Hand gedrückt. Dann jagten ihn die Bewohner des Bauernhofes mit einer aus Stroh angefertigten Peitsche aus dem Haus. Nun musste er so lange in der Kälte stehen, bis eine Magd, meist die jüngste, sich seiner erbarmte und ihn wieder ins Haus holte. Meist erhielt der durchgeprügelte Knecht den Namen Silvester. Oft wurde der Knecht aber auch durch eine Strohpuppe ersetzt. Sie wurde von der Dorfjugend am anderen Morgen verhöhnt und anschließend feierlich verbrannt.
In der Neujahrsnacht schossen die Bauern in die Obstbäume oder über die Viehställe. Erstere wollte man damit zu reicher Ernte anregen und mit letzterem das Vieh vor Krankheit schützen.
Und um das ganze Jahr vom Bösen verschont zu bleiben, schrieb man am Neujahrstag oder am 6. Januar mit geweihter Kreide die Namen der heiligen drei Könige C(aspar) + M(elchior) + B(althasar) über die Türen.
Diese Zeichen sind auch heute noch an vielen Türen zu sehen – ein Beweis dafür, dass sich diese Tradition bis in die heutige Zeit gehalten hat.

Der Autor

Ernst-Albert Meyer, Fachapotheker für Offizin-Pharmazie, Medizin-Journalist und Buchautor.
Als Freiberufler schreibt er über Naturheilverfahren (besonders Phytotherapie), Vitamine, Mineralstoffe und Themen der Medizin- und Pharmaziegeschichte.
Seine bisher zehn Ratgeber-Bücher über Naturmedizin sind zum Teil auch in anderen Ländern erschienen. E.-A. Meyer war viele Jahre als Dozent an Universitäten und in der beruflichen Fortbildung von Apothekern und PTA’s tätig.

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