Lithopunktur in Villach: Eine Stadt erkennt die Zeichen der Zeit

Beispielhaftes Stadt-Projekt zur ökologischen Heilung eines Landschaftsraumes

raum&zeit Ausgabe 80/1996

In deutschen Städten völlig undenkbar, in Villach selbstverständlich: „Lithopunktur – ökologische Heilung und Ausbalancierung eines Landschaftraumes.“ Und das mittels Steinsäulen, von Künstlern entworfen, die als „Kraftpunkte“ „heilende Wirkung“ und für die Stadtlandschaft und Bewohner „wohltuende Wirkung“ bringen sollen. Man stelle sich deutsche Baudezernenten vor, vor lauter Gigantonomie meist selbst schon aufgeschwollen, Qualität durch Quantität ersetzend und selbstzufrieden bis zum geistigen Stillstand. „Lithopunktur“, würden sie fragen, „nie gehört, was soll’n das sein?“ Oder die Kulturdezernenten unserer Städte, die Millionen für zeitgeistige Oberflächlichkeiten verbraten und nur „in“ sein wollen, ohne dabei eine bestimmte Richtung im Kopf zu haben, die angeblichen Trends hinterherhecheln, die von einer gigantischen Kultur-Industrie künstlich erzeugt werden. „Lithopunktur“, würden sie fragen, „‘ne neue Disco, ‘n neuer Drink oder ‘n neues Musical oder was?“ In Villach haben Bau- und Kultur-Dezernenten gemeinsam mit heimischen Künstlern Zeichen gesetzt, die binnen kürzester Frist weltweites Echo fanden. Nicht, weil sie „Trends“ setzen wollten, sondern weil sie sich auf jahrtausendalte Weisheiten besannen. Das sind die Zeichen der Zeit: Zurück zu den Wurzeln, um neue Kräfte zu gewinnen, die dringend benötigt werden.

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