Medizintechnik statt Ethik: Organ-Entnahme soll erleichtert werden

Von Hans-Joachim Ehlers, Gisela Wuttke und Erika Feyerabend – raum&zeit Ausgabe 77/1995

Der politische Sonnyboy der CSU, Seehofer, schlägt wieder zu: Diesmal beim Transplantationsgesetz. Sein Referentenentwurf, der mindestens ein Jahr lang von den unmittelbar interessierten Medizintechnikern mitgestaltet wurde, erleichtert die Organentnahme sehr wesentlich. Der Gesetzentwurf spricht erstmals sogar von „vermittlungspflichtigen Organen” und trägt eindeutig die Handschrift von sogenannten Transplantationsexperten. Gleichzeitig ist es den Medienstrategen des Ministeriums, der Bundesärztekammer und sonstigen Lobbyisten gelungen, in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, als sei dieses Gesetz „lebensrettend” und deshalb so schnell wie möglich zu verabschieden. Unbedarfte Provinzpolitiker, wie die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD im bayerischen Landtag, fordern sogar eine weitere Aufweichung der „Entnahme-Bestimmungen”.

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