Die Republik schreit auf

raum&zeit-Kolumne von Manfred Jelinski

Nun sind sie wieder total überrascht in der hohen Politik. Wie konnte uns das Volk nur so etwas antun! „Ein schwarzer Tag für die Demokratie!“, las man im Netz. Warum eigentlich? Es ist doch grade ein Zeichen für Demokratie, wenn das Volk hingeht und wählt. Und das sogar mit 76 % – das soll uns die größte „Demokratie“ dieser Welt erst einmal nachmachen.
Und wenn das Volk nicht mit dem einverstanden ist, was die Regierung abliefert – oder besser noch, was die Bürger davon mitbekommen, dann wird eben jemand anderes gewählt. Und genau das nennt man Demokratie. Also bitte, ja?
Ob nun eine Demokratie in der heutigen Zeit mit den Möglichkeiten der Digitalisierung noch die beste Regierungsform ist, war nicht die Frage. Wer da einen besseren Vorschlag hat, sollte ihn genau erläutern. Und bitte, dann auch erklären, wie man mit den ungehemmten Fake News und Shitstorms in der Anonymität des Internets umgehen will. Und wie man herauskriegen will, was „das Volk“ wirklich will.
Nun gut, man könnte ein Remote Viewing-Projekt darauf machen. Aber bei solchen postdigitalen Methoden sind die Politiker noch längst nicht. Sie lauschen noch eifrig den Einflüsterungen der Demoskopen, die das Heil durch Algorithmen anbeten, obwohl sie auch beständig durch die tatsächlich eintreffenden Ergebnisse überrascht werden.
Ja, gewiss, wir hatten auch Sessions auf die Politiker gemacht. Nicht aus Interesse am Wahlergebnis, sondern eher deshalb, um herauszufinden wie die Spitzenpolitiker ticken. Noch am Freitag vor der Wahl schaute sich eine Absolventin des letzten Remote Viewing-Kursus im naturwissen Ausbildungszentrum an, was denn der „etwas struppige“ SPD-Spitzenkandidat hinter seiner Denkerstirn bewegte.
„Er hat ein Stimmungstief, ist plötzlich traurig, muss die Fassung bewahren und weitermarschieren.“ Am liebsten würde er „alles hinschmeißen und mit dem Hund im Wald spazieren gehen, kann aber nicht aus der Situation heraus“. Auch sein Umfeld ist „traumatisiert, obwohl es ihnen jetzt gut geht“. (Nicht mehr in der Regierungspflicht hat doch auch was.) Insgesamt fand die Viewerin, ist er „eigentlich kein unguter“.
Wie es Frau Merkel geht, kann man aus einem früheren Psychogramm ablesen.
Sie möchte „beschwichtigen, Ruhe halten, damit nichts aus dem Ruder läuft.“ Sie ist „manipulierend“ und muss „die Machterhaltung sichern“. Auch sie ist kein schlechter Mensch, sie möchte einfach aus der „Hilflosigkeit herauskommen. Es ist ihr schon mal schlecht ergangen, sie musste sich an die Mächtigen anpassen“.
Dumm nur an beiden Kandidaten ist, wie sehr sie von dem Wohlmeinen der großen Macht in Übersee abhängig sind. Das kam in allen Sessions.
Und deshalb: wozu der Aufschrei nach dieser Wahl? Natürlich haben wir die demokratische freie Wahl. Es ist ja eben immer die Umsetzung, die beim Volk ankommt. Und da haben noch ganz andere mitzureden, egal wie hier gewählt wird und egal, wie man sich hier in Deutschland eine Vermittlung zwischen den großen Blöcken dieser Welt wünscht.
Und das Wahlergebnis war im Prinzip auch sehr demokratisch. Sechs Parteien im Bundestag, wo hat man das heute noch in einer großen Demokratie?

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-martin-schulz-dachte-am-abend-der-bundestagswahl-ueber-ruecktritt-nach-a-1170574.html

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